Betrifft der Entzug auch Dich?

Betrifft der Entzug auch Dich?

Deine Gefühle rund um den Entzug

Die Nachricht, dass Dein Elternteil eine Entzugsbehandlung macht, hat möglicherweise viele verschiedene Gefühle in Dir ausgelöst. Womöglich warst Du verwirrt oder besorgt. Vielleicht aber sogar erleichtert?

Durch einen Entzug versucht Dein Elternteil Wege zu finden, ohne Alkohol oder Drogen klarzukommen. Es ist deshalb nicht nur eine ungewisse und anstrengende Zeit für Eure Familie, sondern gleichzeitig auch eine große Chance! Es ist ganz natürlich, dass die Aussicht eines Entzugs gemischte Gefühle bei Dir auslöst. Einerseits siehst Du sicherlich die große Chance für Dein Elternteil, gleichzeitig steht Deinem Elternteil eine anstrengende Zeit bevor, in der sich Deine Mutter oder Dein Vater an ein Leben ohne die Substanzen gewöhnen muss. Das ist ziemlich schwierig und deshalb ist es notwendig, dass die betroffenen Menschen einige Zeit getrennt von ihrem gewohnten Umfeld leben, um mit ihren Suchtproblemen klar zu kommen und neue Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Dein Elternteil wird deshalb möglicherweise für einige Wochen nicht mehr bei Euch Zuhause leben. Klar ist auch, regelmäßige Besuche oder Telefonate können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Dein Elternteil gerade nicht da ist. Es ist deshalb wichtig, dass Du über Deine Gefühle sprichst und Dich jemandem anvertraust – dafür musst Du Dich überhaupt nicht schämen! Rede mit Deinem anderen Elternteil oder einem Freund oder Freundin darüber, wie es ist ohne Deinen suchtkranken Elternteil zu leben – was Du vermisst, was Dich sorgt, aber auch worüber Du Dich freust. Vielleicht gibt es gerade viel weniger Stress Zuhause? Du kannst Deinem ganz normalen Alltag nachgehen, ohne dass Du Dir Sorgen um Dein drogen- oder alkoholsüchtigen Elternteil zu machen brauchst.

Je nachdem aus welchem Blickwinkel Du die Sache betrachtest, merkst Du dass diese Situation für Dich und Deine Familie nicht nur schwierig, sondern sogar hilfreich sein kann. Eine Entzugsbehandlung ist ein guter Anfang für Dein Elternteil, um von der Sucht loszukommen. Du kannst diese Zeit nutzen, um Deine Akkus wieder aufzuladen, denn in der Klinik kümmern sich Experten um Deine Mutter oder Deinen Vater.

Ist danach alles gut?

Wie Du weißt, ist es für viele Menschen nicht einfach von Alkohol und Drogen wieder wegzukommen, wenn sie lange konsumiert haben und süchtig sind.  Mehr Menschen als Du vielleicht denkst, haben mit einer Suchtproblematik zu kämpfen und viele entscheiden sich irgendwann dafür aufzuhören.

Dies kann viele Gründe haben, zum Beispiel können sie ihren Alltag nicht mehr selbständig bewerkstelligen, es gibt Ärger bei der Arbeit oder vielleicht wollen sie ihrer Familie zu Liebe aufhören. Wie Du anhand dieser Aufzählung merkst, wirkt sich der Konsum von Drogen oder Alkohol nicht nur auf den Körper des Menschen selbst, sondern auf das ganze Umfeld aus. Wenn Dein Elternteil sich dazu entschieden hat, damit aufzuhören, sollte dies am besten unter der Aufsicht von Experten im Entzug geschehen. Das ist der erste Schritt, um von der Sucht loszukommen!

Neben der rein körperlichen Entwöhnung von den Substanzen, müssen viele Dinge im Leben Deines Elternteils verändert werden, damit es nach dem Entzug nicht zu einem Rückfall in alte Verhaltensmuster kommt. Der schwerste Teil des Weges, um vom Alkohol oder den Drogen loszukommen, beginnt also erst nach dem Entzug. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass es manchmal zu Rückschlägen kommt. Das nennt man dann einen Rückfall.

Ein Rückfall

Hilfe, ein Rückfall … war jetzt alles umsonst??

Im Alltag können für viele Abhängige Situationen entstehen in denen der Wunsch Alkohol oder Drogen zu nehmen sehr stark wird. Manchmal kommt es dann zu einem Rückfall. Das heißt, obwohl die Person eigentlich aufgehört hatte Alkohol oder Drogen zu nehmen, ist es doch wieder passiert. Was auf den ersten Blick wie ein großer Rückschritt erscheint, ist eigentlich nicht so dramatisch. Rückfälle gehören zu der Krankheit Sucht dazu und bedeuten nicht, dass die Therapie bei Deinem Elternteil nicht anschlägt. 

Womöglich fühlst Du Dich in diesem Moment trotzdem verraten, entmutigt oder bist sauer auf Dein Elternteil, weil Du das Gefühl hast, dass alles umsonst war? Klar, ein Rückfall ist nie etwas Gutes! All die Hoffnungen und Versprechungen sind mit einem Mal hinüber. Trotzdem steckt auch ein Fünkchen Gutes in einem Rückfall. Seine Umstände erlauben Deinem Elternteil und den Fachkräften herauszufinden, in welche Situationen der Drang nach Alkohol oder Drogen besonders stark wird. Dies hilft, konkrete Pläne für diese Situationen zu erarbeiten und Deinen Elternteil zu stärken. Ihr seid nicht allein! Beratungsstellen helfen Dir und auch Deinem Elternteil mit dieser schwierigen Situation umzugehen!

Helfen – will ich oder muss ich?

Du überlegst, wie Du Deinem Elternteil während des Entzugs oder danach helfen kannst? Das ist toll! Doch zuallererst solltest Du Dich an Folgendes erinnern:

Du bist nicht für die Abhängigkeit Deines Elternteils verantwortlich! Und es hängt nicht von Dir ab, ob Dein Elternteil gesund wird oder bleibt!

Trotzdem gibt es natürlich viele verschiedene Möglichkeiten, auf welche Art und Weise Du Deine Mutter oder Deinen Vater unterstützen kannst. Du kannst ihr oder ihm sagen, dass Du stolz auf sie oder ihn bist! Außerdem könntest Du regelmäßig Sprach- oder Videonachrichten per WhatsApp versenden oder andere Kleinigkeiten als Mutmacher oder Glücksbringer zu Besuchen mitbringen – zum Beispiel ein Kuscheltier von Zuhause oder einen schönen Stein, den Du gefunden hast. Regelmäßige Berichte von Zuhause, erleichtern Deinem Elternteil sicherlich den Aufenthalt in der Klinik.

Es kann sein, dass Du Dich fragst, ob Du denn deinen Eltern helfen musst. Das ist nicht der Fall. Vielleicht stellst Du fest, dass Dir die Lust dazu fehlt, regelmäßige Nachrichten zu schicken oder Videobotschaften aufzunehmen. Stattdessen brauchst Du vielleicht Zeit für Dich oder Deine Freunde, in der Du abschalten und auf andere Gedanken kommen kannst! Das ist total in Ordnung und sollte Dir kein schlechtes Gewissen machen! Der Erfolg des Entzugs hängt keinesfalls von Dir ab. Achte auf Dich und schau wieviel Kontakt Dich in dieser Zeit glücklich macht und lass´ Dich nicht unter Druck setzen.

Falls Du noch ein paar Tipps benötigst, womit Du Dir selbst etwas Gutes tun kannst, lies einfach weiter. 

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