WANN IST JEMAND PSYCHISCH KRANK?

Wann ist jemand psychisch krank?

Das ist nicht immer ganz einfach zu beantworten. Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen müssen dafür meist eine umfangreiche Untersuchung durchführen. Das nennt man Diagnostik. In Form von Gesprächen, Fragebögen, Übungen und Tests sammeln sie viele Informationen über die Gefühle, Gedanken und das Verhalten der erkrankten Person. Es wird auch geschaut, wie die Beziehungen zu anderen Menschen aussehen, zum Beispiel ob jemand häufig in Konflikte gerät oder vielleicht gar nicht mit anderen Menschen in Kontakt treten kann und was der Grund dafür sein könnte. Auch wird geschaut, inwieweit der Mensch die Aufgaben im Beruf oder in der Schule bewältigt. Manchmal werden zusätzlich zur erkrankten Person auch Angehörige befragt, um neben der Selbstbeurteilung der erkrankten Person noch weitere Informationen über die Fremdbeurteilung durch andere Menschen zu erhalten.
Folgende Fragen, Gedanken und Gefühle erleben Kinder von psychisch kranken Eltern oft. Vielleicht findest du dich darin wieder:

  • Hast du schon mal gedacht, dass dein Vater oder deine Mutter ganz anders sind als die Väter oder Mütter deiner Freunde und Freundinnen?
  • Hast du das Gefühl, dass dein Vater oder deine Mutter sich verändern, also dass du deinen Vater und deine Mutter kaum wiedererkennst, so als wären sie nicht mehr sie selbst?
  • Ist dein Vater oder deine Mutter ganz besonders traurig, so dass er oder sie den ganzen Tag gar nichts tut oder kaum noch etwas isst?
  • Hast du schon mal das Gefühl gehabt, dass sich dein Vater oder deine Mutter gar nicht für dich interessieren und sich gar nicht um dich kümmern, obwohl sie den ganzen Tag zuhause sind?
  • Gehen dein Vater oder deine Mutter nicht mehr zur Arbeit und du verstehst nicht warum?
  • Verändert sich das Äußere von deinem Vater oder deiner Mutter, ist z.B. die Kleidung nicht sauber oder ungewöhnlich oder ist die Körperhaltung anders als sonst, z.B. steif oder eingeknickt?
  • Sieht man deinem Vater oder deiner Mutter „an der Nasenspitze“ an, dass etwas nicht stimmt und sie etwas bedrückt?
  • Sind dein Vater oder deine Mutter manchmal ganz besonders stark verwirrt und durcheinander?
  • Verdächtigen dein Vater oder deine Mutter dich schon mal, etwas gemacht zu haben, das so gar nicht gewesen ist, oder sind sie misstrauisch dir gegenüber oder auch feindselig?
  • Sind dein Vater oder deine Mutter sehr unruhig und rastlos oder - im Gegenteil - ganz langsam in ihren Bewegungen oder auch beim Sprechen?
  • Reagieren dein Vater oder deine Mutter nicht mehr auf witzige oder traurige Dinge oder reagieren sie unangemessen, z.B. mit Lachen, wenn etwas eigentlich traurig ist?
  • Wechseln sich die Gefühle deiner Mutter oder deines Vaters, wie zum Beispiel Trauer, Freude, Wut, usw. ganz schnell ab?
  • Verstehst du manchmal nicht, was dein Vater oder deine Mutter sagen, weil das so durcheinander ist oder einfach keinen Sinn ergibt?
  • Reagieren dein Vater oder deine Mutter auf Dinge oder Personen, die gar nicht da sind, redet z.B. dein Vater oder deine Mutter mit jemandem, obwohl niemand da ist?
  • Wissen dein Vater oder deine Mutter manchmal nicht, wo sie sind, also an welchem Ort, zu welcher Zeit oder in welcher Situation?
  • Können sich dein Vater oder deine Mutter nur sehr schlecht konzentrieren oder sind sie auf etwas Bestimmtes fixiert und können ihren Blick davon nicht oder deutlich verspätet abwenden?
  • Schämst du dich so sehr für das Verhalten deines Vaters oder deiner Mutter, so dass du keine Freund:innen nach Hause einlädst?
  • Haben sich dein Vater oder deine Mutter andere Freund:innen gesucht oder ziehen sie sich ganz von ihnen zurück?
  • Hast du öfters große Angst um deinen Vater oder deine Mutter?
  • Hast du schon mal gedacht, dass dein Vater oder deine Mutter eine Gefahr für sich oder andere sind?
  • Nehmen dein Vater oder deine Mutter oft Alkohol oder andere Drogen zu sich?

Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leidet weltweit jede vierte Person, die eine Arztpraxis aufsucht, an einer psychischen Krankheit, die einer Behandlung bedarf.
Hättest du das gedacht: In Deutschland werden jedes Jahr etwa 300.000 Menschen in eine psychiatrische Klinik aufgenommen. Am häufigsten treten Angststörungen, Depressionen und somatoforme Störungen auf. Es gibt also weitaus mehr betroffene Familien, als viele Kinder annehmen. Es ist wichtig darüber zu sprechen!

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