WAS DU TUN KANNST

Was du tun kannst

Zehn Punkte, die dir vielleicht helfen können, besser mit der Situation zuhause umzugehen:

Such dir Verbündete!

Wenn ein Familienmitglied psychisch krank ist, ändert sich für jeden in der Familie etwas. Oft wird aber in der Familie gar nicht darüber gesprochen, dass etwas nicht stimmt. Innerhalb der Familie wird vielleicht das Gefühl vermittelt, dass man lieber nicht darüber reden sollte, was man fühlt und welche Ängste man hat. Viele, denen es so geht wie dir, erzählen gar nicht mehr von ihrer Familie, aus Angst, andere könnten von der der psychischen Erkrankung und den damit verbundenen Problemen erfahren.

Doch es kann sehr hilfreich sein, sich jemandem anzuvertrauen, um das loszuwerden, was einen so sehr beschäftigt und belastet. Andere an deinen Gefühlen teilnehmen zu lassen heißt nicht, dass du deine Familie hintergehst! Wenn es keiner aus deiner Familie ist, dem du von deinen Sorgen und Ängsten erzählen kannst, dann gibt es vielleicht einen guten Freund oder eine Freundin? Vielleicht aber auch jemanden aus deiner Verwandtschaft oder einen Lehrer oder eine Lehrerin?

Auch wenn es schwer ist, überwinde dich! Du hast keinen Grund, dich für die psychische Erkrankung deiner Eltern zu schämen. Du wirst feststellen, dass deine Freunde auch Probleme bewältigen müssen, vielleicht sogar ähnliche, über die sie vielleicht auch mit dir reden wollen. Gute Freunde sind dafür da, sich gegenseitig zuzuhören, sich zu unterstützen und Rat zu geben.

Hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst!

Auch in deiner Umgebung gibt es Fachstellen (Familienberatungsstellen, Kinder- und Jugendberatungsstellen, das Jugendamt oder sozialpsychiatrische Zentren), in denen Fachleute arbeiten, mit denen man gut sprechen kann und die dir und deinen Eltern helfen wollen. Du könntest mit einem guten Freund oder einer Person, der du vertraust, zu solch einer Fachstelle gehen, vielleicht gibt dir das mehr Sicherheit!

Falls du nicht direkt mit jemandem reden möchtest, dann schreib uns in der Online-Beratung. Oder schau doch mal auf unserer Pinnwand oder in unserem moderierten Chat vorbei, da können sich alle unterhalten, und manchmal bekommt man da ein paar gute Tipps von Gleichaltrigen, die vielleicht sogar das gleiche Problem zuhause haben.

Es ist wichtig, dass du dir Hilfe suchst, wenn dich deine derzeitige Situation oder auch Dinge aus der Vergangenheit sehr belasten. Hör dabei auf deine Gefühle und sprich mit Leuten, denen du vertraust!

Lass es dir gut gehen!

Auch wenn es deinem Vater oder deiner Mutter nicht so gut geht, muss das bei dir nicht auch so sein. Jeder Mensch darf fröhlich sein und schöne Dinge erleben. Es ist wichtig, dass du dafür sorgst, dass es dir besser geht. Triff dich mit Freunden und geh deinem Hobby nach. Unternehmungen oder der Kontakt zu anderen Leuten können einen manchmal, zumindest kurzzeitig, auf andere Gedanken bringen.

Mach dir einen Notfallplan!

Es ist wichtig, dass du im Notfall immer weißt, wen du anrufen oder zu wem du gehen kannst. Überlege dir, wem du vertraust, wer dir im Notfall weiterhelfen kann und lerne die Telefonnummer dieser Person auswendig. Das kann zum Beispiel deine Oma sein, eine nette Nachbarin, deine beste Freundin oder dein bester Freund. Es wäre schön, wenn du zu dieser Person jederzeit hingehen kannst, bei ihr etwas essen oder auch mal schlafen kannst. Bei akuter Bedrohung oder Gefahr kannst du natürlich auch jederzeit die Polizei rufen (Tel.: 110).

Vertrau auf jeden Fall auf dein Gefühl! Wenn du merkst, dass es brenzlig wird, dann hol dir Hilfe!

Lerne zu genießen!

Lachen und albern sein gehört zum Leben dazu! Es ist manchmal schwer, fröhlich zu sein, wenn einen die Familiensituation so sehr belastet. Aber es ist wichtig, dass du auch Fröhlichkeit zulässt. Such dir gezielt Dinge, die dir Spaß machen. Vielleicht hilft dir das, um abzuschalten und für einen Moment deine Probleme zu vergessen.

Sag auch mal NEIN!

Zum Beispiel, wenn du dich um vieles kümmern musst, wie einkaufen, putzen, oder wenn du andere Dinge im Haushalt erledigen musst. Natürlich ist es super, wenn du mithilfst. Ein Stück weit ist das sicher auch total normal. Das machen andere zu Hause auch. Es sollte aber nicht so weit gehen, dass du gar keine Zeit mehr für dich hast, um dich mit Freunden zu treffen, um schöne Dinge zu erleben, Spaß zu haben, und natürlich auch für deine Hausaufgaben. Du bist noch kein Erwachsener, und das ist auch gut so! Deshalb solltest du deine Jugend soweit genießen können, wie es eben möglich ist.

Gib die Hoffnung nicht auf!

Vielleicht hört sich das Gelesene für dich ganz schlimm an oder du denkst, bei mir ist alles noch viel schlimmer. Für jeden ist es mal schwer und du musstest das durch die der psychische Erkrankung deines Vaters oder deiner Mutter schon sehr früh erfahren. Aber du kannst lernen, dass man auch die schlechten Tage überstehen kann. Das Wichtigste ist, auf seine Gefühle zu hören und sich auch an die schönen und guten Situationen im Leben zu erinnern. Vergiss nicht: auch wenn es mal schwierig ist, Schwieriges kann überstanden werden.

Sei stolz auf dich!

Wenn man schwere Zeiten durchsteht, entwickelt man oft auch besondere Fähigkeiten. Du hast zum Beispiel schon ein besonderes Fingerspitzengefühl dafür entwickelt, wie man erkennt, dass es jemandem nicht gut geht. Du bist durch die schwere Zeit selbstständiger geworden und hast vielleicht Initiative und Kreativität gelernt - und hoffentlich deinen Humor bewahrt. Du hast hier gelernt, dass man nicht aufzugeben braucht und dass man sich Hilfe holen kann. Und du hast dich hier informiert und so dein Wissen erweitert. Jeder Schritt, den du unternimmst, ist ein Erfolg, erscheint er auch noch so klein.

Fühl dich nicht verantwortlich!

Erkenne, dass dein Tun und Handeln nichts mit der psychischen Erkrankung deiner Eltern zu tun hat. Du trägst nicht die Verantwortung für deine Eltern und bist auch nicht der Grund dafür, dass sie krank sind. Egal was du tust, du wirst deine Eltern nicht heilen können! Informiere dich darüber, was eine psychische Erkrankung überhaupt ist. Achte darauf, wie es dir damit geht und höre und vertraue auf dich und deine Gefühle.

Vertrau auf deine Gefühle und sei aktiv!

Es ist besser, aktiv zu sein und die Initiative zu ergreifen, als in Starre und Hilflosigkeit zu verfallen! Probiere neue, positive Dinge aus und vertraue dir dabei selbst. Vielleicht klappt nicht immer alles sofort, darauf kommt es aber auch nicht an. Kein Mensch ist perfekt. Wichtig ist, dass du so bist und bleibst, wie du bist!

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