PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN

Gefühlschaos

Du bist enttäuscht?

Es fällt schwer, jemandem zu vertrauen, der einen enttäuscht hat und es macht traurig, nicht zu wissen, woran man ist. Es macht hilflos, wenn sich nichts ändert, egal was man tut.

Du fühlst dich allein?

Die Sorge um ein Elternteil, das psychisch krank ist, belastet sehr. Wenn dadurch auch noch die Familie zu zerbrechen droht, bleibt das Gefühl, allein gelassen zu sein, nicht aus. Auch wenn es nicht so scheinen mag, es gibt viele Kinder und Jugendliche, die in einer ähnlichen Situation sind wie du. In Deutschland leben ca. 2 Millionen Kinder und Jugendliche mit einem schwer psychisch/seelisch erkrankten Elternteil. Viele halten ihr Leiden geheim, deswegen kann die Anzahl nur geschätzt werden.

Du schämst dich?

Viele belastet die Situation zuhause sehr. Sie ziehen sich von ihren Freunden und ihrer Familie zurück, laden keine Freunde mehr nach Hause ein und reden nicht darüber, weil sie sich für die psychische Erkrankung der Eltern schämen. Aber es ist wichtig, darüber zu sprechen!

Du fühlst dich schuldig  und würdest deine Eltern gerne heilen?

Psychisch kranke Menschen werden manchmal so stark durch ihre Erkrankung kontrolliert, dass sie ihre Familie und ihre Freunde vernachlässigen und ihnen vielleicht sogar vorwerfen, an der Erkrankung Schuld zu sein. Doch das stimmt nicht!

Niemand ist schuld, wenn jemand psychisch krank wird. Die Erwachsenen sind nicht schuld an ihrer Krankheit. Und es ist niemals die Schuld der Kinder, wenn die Eltern krank werden. Es ist egal wie sehr du sie liebst oder wie wütend du auf sie bist: du hast keine Schuld daran und keinen Einfluss darauf, dass deine Eltern krank sind. Es bringt also gar nichts, deine eigenen Bedürfnisse beiseite zu schieben und sich um alles zu kümmern, du kannst sie nicht heilen. Egal, was du auch tust, deine Eltern werden selbst entscheiden, ob sie Hilfe von Ärzten, Psychologen und anderen Experten annehmen können.

Du bist wütend und verwirrt?

Die Sorge um ein psychisch krankes Elternteil ist mit verwirrenden Gefühlen verbunden: einerseits ist da der Mensch, den man liebt, andererseits die Krankheit, die man hasst. Es macht Angst, nicht einschätzen zu können, wie es um Mutter oder Vater steht und nicht zu wissen, wie man helfen kann. Du darfst also auch mal wütend auf deine Eltern sein, d.h. dann nicht gleich, dass du sie nicht mehr liebst.

Du fühlst dich nicht geliebt und nicht beachtet?

Deine Eltern lieben dich immer noch, auch wenn sie es dir aufgrund der Krankheit vielleicht nicht immer zeigen können. Sie sind dann nicht in der Lage dazu und fühlen sich bestimmt ganz schlecht deswegen, und auch sie haben Scham- und Schuldgefühle.

Wenn Eltern psychisch krank sind und sich das ganze Familienleben nur noch um die Krankheit dreht, dann haben die Kinder fast immer das Gefühl, nicht geliebt und nicht beachtet  zu werden. Die psychische Erkrankung kann dazu führen, dass deine Eltern dir ihre Liebe nicht immer zeigen können. Sie sind dann nicht in der Lage dazu und fühlen sich vielleicht deswegen selbst schlecht und schuldig. Man darf also nicht automatisch annehmen, dass psychisch kranke Eltern ihre Kinder nicht lieben.

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