AUCH DAS NOCH!

Auch das noch!

Psychische Erkrankungen und Sucht

Man spricht von „Doppeldiagnose“, wenn ein psychisch kranker Mensch Alkohol oder andere Drogen nimmt oder sogar davon abhängig ist.

Möchtest du mehr zu Sucht und Abhängigkeit wissen? Dann schau bitte auf unseren Seiten zum Thema Sucht nach.

Weil sich die beiden Erkrankungen gegenseitig verstärken, sollten sich die Erkrankten unbedingt Hilfe holen und sich behandeln lassen.

Mehr Informationen zum Thema Sucht findest du hier.

Wie oft kommen Doppeldiagnosen vor?

Das kann man gar nicht so genau sagen. Es stellt aber ein Risiko dar, wenn man psychisch krank ist. Insgesamt schätzt man, dass etwa ein Drittel der Patienten (30 %) mit einer psychischen Erkrankung auch Alkohol oder Drogen zu sich nehmen. Es kommt aber auch auf die psychische Krankheit an. Wenn jemand zum Beispiel schizophren ist, dann kann es vorkommen, dass derjenige auch häufiger Alkohol oder Drogen nimmt als jemand, der nicht schizophren ist. Aber auch bei Manien, Depressionen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen kann es zusätzlich zu Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch oder Suchtmittelabhängigkeit kommen.

Warum ist das so?

Man weiß das noch nicht so genau. Es gibt dazu verschiedene Annahmen:

  • Annahme 1: Es ist nur Zufall, dass beide Erkrankungen (die psychische Erkrankung und die Abhängigkeitserkrankung) gemeinsam bei jemandem auftreten.
  • Annahme 2: Die psychische Erkrankung war zuerst da, und dadurch ist man eher bereit, Alkohol oder Drogen zu nehmen.
  • Annahme 3: Es ist genau anders herum; die Alkohol- oder Drogenabhängigkeit war zuerst da, und dadurch kann sich dann eine psychische Erkrankung entwickeln.
  • Annahme 4: Jemand, der psychisch krank ist, greift vielleicht extra und aktiv zu Alkohol oder Drogen, weil er denkt, dass es ihm dann mit der psychischen Erkrankung besser geht. Das ist aber nicht der Fall, weil er dann noch eine weitere Krankheit dazu bekommt: die Abhängigkeit. Und damit wird es schlimmer.
  • Annahme 5: Es gibt ein oder mehrere Gründe für beide Krankheiten.

Wie wird ein Doppeldiagnose-Patient behandelt?

Es sind dann eigentlich zwei Behandlungen: einmal die Behandlung der psychischen Erkrankung und einmal die Behandlung der Suchterkrankung. Aber nicht getrennt, sondern zusammen, daher müssen beide Behandlungen aufeinander abgestimmt sein. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, dass die behandelnden Ärzte wissen, ob dein Vater oder deine Mutter auch Alkohol oder Drogen konsumieren. Der Alkohol- oder Drogenkonsum erschwert sonst die Behandlung der psychischen Störung.

Psychische Erkrankung und Gewalt

Psychische Erkrankungen können das Risiko für Gewalt erhöhen. Das heißt aber nicht, dass ein psychisch Erkrankter automatisch gewalttätig ist. Die allermeisten, mehr als 90%, sind absolut nicht gewalttätig. Die wenigen Ausnahmen, die gewalttätig sind, haben oft auch vor der Erkrankung Gewalterfahrungen gemacht und/oder stehen unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen. Tatsächlich sind Alkohol und andere Drogen ein viel größerer Risikofaktor für Gewaltbereitschaft als eine psychische Erkrankung. Durch Alkohol und Drogen kann die Hemmschwelle für Gewalt herabgesetzt werden.

Es gibt verschiedene Formen von Gewalt:

  •     Körperliche Gewalt
  •     Seelische Gewalt
  •     Vernachlässigung
  •     Sexuelle Gewalt

Die Gewalt kann selbst erlebt oder auch beobachtet werden. Die beobachtete Gewalt ist aber oft nicht weniger schlimm.

Möchtest du mehr über Gewalt wissen, dann schau bitte auf unseren Seiten zum Thema Gewalt nach.

Du kannst, darfst und sollst darüber reden!

Es ist sehr wichtig, dass du dich öffnest und erwachsenen Personen erzählst, wie es dir geht und was du erlebt hast. Doch genauso wichtig ist es, dass du die Wahrheit erzählst! Dies bedeutet, dass du niemanden beschuldigen darfst, dass er dir wehgetan hat, obwohl es gar nicht stimmt.

Wenn dir einer wehgetan hat und du redest mit jemandem darüber, ist es nicht richtig, wenn man dir nicht glaubt und sagt, du wärst eine Lügnerin oder ein Lügner. Wir glauben dir und versuchen dir zu helfen, wenn du uns schreibst!

Trennung der Eltern

Genauso wie dich die psychische Erkrankung belastet, so belastet sie auch die Beziehung deiner Eltern. Oft sind die Probleme und Belastungen so groß und das Vertrauen zwischen deinen Eltern so gestört, dass eine Trennung/Scheidung deiner Eltern die einzige Lösungsmöglichkeit ist. Für die Kinder ist so eine Trennung/Scheidung meist nur sehr schwer zu verstehen und zu akzeptieren. Gefühle von Wut, Trauer, Angst und Hilflosigkeit werden ausgelöst. Aber du darfst nicht vergessen, dass deine Eltern immer deine Eltern bleiben, auch wenn sie sich getrennt haben. Die Trennung hat nichts mit dir zu tun und du bist nicht schuld daran!

Es ist weniger Geld zur Verfügung

Dein psychisch kranker Elternteil kann vielleicht seiner Arbeit nicht mehr nachgehen und/oder der andere Elternteil muss sich um den Kranken und um den Haushalt kümmern und kann deshalb auch nicht mehr so viel arbeiten. Möglicherweise habt ihr dann weniger Geld zur Verfügung und seid auf die Unterstützung durch den Staat angewiesen, dessen Pflicht es ist, euch zu helfen. Trotzdem ist das Geld knapper, und man kann sich nicht immer alles leisten. Das macht wütend und traurig!

Keine Krankheitseinsicht

Eine seelische Erkrankung führt oft dazu, dass die Betroffenen selbst gar nicht merken oder einsehen, dass sie ein Problem haben. Außerdem werden psychische/seelische Erkrankungen von der allgemeinen Bevölkerung oft noch anders angesehen als körperliche Erkrankungen. Das ist ganz falsch, und es führt dazu, dass sich die Betroffenen keine Hilfe suchen wollen, weil man dann sagen muss, dass man eine psychische Krankheit hat. Wenn man sich keine Hilfe holt, ändert sich aber nichts, und der Betroffene und die ihm nahestehenden Personen leiden im Stillen weiter.

Vorurteile und Beleidigungen

Da die meisten nicht wissen, was psychische/seelische Krankheiten genau sind, denken (und reden) sie manchmal auch negativ darüber. Dadurch nehmen manche Menschen Abstand oder die Betroffen ziehen sich selbst zurück und holen sich keine Hilfe. Gerade aber wenn man leidet, kann einem der Kontakt zu anderen sehr gut tun. Deshalb sollte man unbedingt den Kontakt zu guten Freunden und zur Familie behalten. Denn gemeinsam ist man stark!

Das Familiengeheimnis

Über die Situation zu Hause können viele betroffenen Kinder und Jugendliche nicht offen reden, da das Familiengeheimnis bewahrt werden soll und niemand außerhalb der Familie etwas mitbekommen soll. Wichtig ist aber, dass man mit Menschen, denen man vertraut, ein Geheimnis, dass einen belastet, bespricht.

Selbstverletzendes Verhalten, Essstörungen und Suizidgedanken

Es gibt einige Kinder und Jugendliche, die die Situation zu Hause so stark belastet, dass sie selber psychisch krank oder süchtig werden oder gefährdet sind, Selbstmord zu begehen.

Durch Selbstverletzendes Verhalten versuchen die Betroffenen, die hohen emotionalen Belastungen und Gefühle, wie Wut, Angst, Trauer, Frustration oder Hilflosigkeit, abzubauen. Die körperlichen Schmerzen überdecken die seelischen Qualen und die emotionale Leere, die diese Kinder und Jugendlichen spüren.

Eine Essstörung ist eine psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen versuchen, Gefühle von Unsicherheit und Minderwertigkeit auszugleichen. Die Kontrolle über das eigene Körpergewicht hilft ihnen dabei, diese Gefühle zu überspielen.

Manche Kinder und Jugendlichen sind durch die familiäre Situation sogar so stark belastet, dass für sie ein Selbstmord der einzige Ausweg zu sein scheint. Das Leben ist für sie so nicht mehr auszuhalten und sie wollen einen Hilferuf aussenden, der auf die eigene, schwierige und ausweglos scheinende Situation hinweist.

Falls eine ähnliche Beschreibung auch auf dich zutrifft, ist es ganz wichtig, dass du dir Hilfe suchst!

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