WAS DU TUN KANNST

Was du tun kannst

Häufig wehren sich Gewaltopfer nicht, weil sie Angst vor der Reaktion des Gewalttäters haben und nicht wissen, was passieren wird. Vor allem, wenn Gewalt in der Familie auftritt, ist es besonders schwer, eine Möglichkeit zu finden, wie man sich wehren kann. Aber es ist wichtig, dass du etwas unternimmst, um dich selbst zu schützen!

Zehn Punkte, die dir vielleicht helfen können, besser mit der Situation zuhause umzugehen:

Mach dir einen Notfallplan!

Es ist wichtig, dass du im Notfall immer weißt, wen du anrufen kannst. Überlege dir, wem du vertraust, wer dir im Notfall weiterhelfen kann und lerne die Telefonnummer dieser Person auswendig. Das kann zum Beispiel deine Oma sein, eine nette Nachbarin oder dein/e beste/r Freund/in. Auf jeden Fall sollte es jemand sein, zu dem du immer hingehen kannst. Bei akuter Bedrohung kannst du natürlich auch jederzeit die Polizei rufen (Tel.: 110).

Vertraue auf jeden Fall deinem Gefühl! Wenn du merkst, dass es brenzlig wird, dann hol dir Hilfe und bring dich in Sicherheit!

Sag NEIN!

Du darfst dich gegen die Dinge, die dir angetan werden, wehren und du musst das nicht alleine tun! Suche dir jemanden, der dir dabei hilft! Das hat nichts mit Schwäche zu tun, im Gegenteil, es ist mutig, sich Hilfe zu holen, wenn man sie braucht!

Versuche, dich der Gewaltsituation zu entziehen!

Wenn du merkst, dass zuhause gespannte oder aggressive Stimmung herrscht, dann versuche dem zu entkommen, indem du auf dein Zimmer gehst oder das Haus verlässt. Überlege, zu wem du in einer solchen Situation gehen kannst.

Such dir Verbündete!

Wenn ein Familienmitglied gewalttätig ist, ändert sich für jeden in der Familie etwas. Oft wird aber in der Familie gar nicht darüber gesprochen. Innerhalb der Familie wird vielleicht das Gefühl vermittelt, dass man lieber nicht darüber reden sollte, was man fühlt und welche Ängste man hat. Viele, denen es so geht wie Dir, erzählen gar nichts mehr von ihrer Familie, aus Angst, andere könnten von der Gewalt und den damit verbundenen Problemen erfahren.

Doch es kann sehr hilfreich sein, sich jemandem anzuvertrauen, um das loszuwerden, was einen so sehr beschäftigt und belastet. Und andere an deinen Gefühlen teilnehmen zu lassen, heißt nicht, dass du deine Familie hintergehst! Wenn es keiner aus deiner Familie ist, dem du von deinen Sorgen und Ängsten erzählen kannst, dann gibt es vielleicht einen guten Freund oder eine Freundin? Vielleicht aber auch jemand aus deiner Verwandtschaft oder einen Lehrer oder eine Lehrerin?

Auch wenn es schwer ist, überwinde dich! Denn niemand hat das Recht, dir körperliche oder seelische Gewalt anzutun!

Hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst!

Auch in deiner Umgebung gibt es Fachstellen (Kinder- und Jugendberatungsstellen, Jugendamt, Familienberatungsstellen) in denen Fachleute arbeiten, mit denen man gut sprechen kann und die dir und deinen Eltern helfen wollen. Du könntest mit einem guten Freund oder einer Person, der du vertraust, zu solch einer Fachstelle zu gehen, vielleicht gibt dir das mehr Sicherheit!

Falls du nicht direkt mit jemandem reden möchtest, dann schreib uns in der Online-Beratung. Oder schau doch mal auf unserer Pinnwand oder unserem moderierten Chat vorbei, da können sich alle unterhalten, und manchmal bekommt man da ein paar gute Tipps von Gleichaltrigen, die vielleicht sogar das gleiche Problem zuhause haben.

Es ist wichtig, dass du dir Hilfe suchst, wenn dich deine derzeitige Situation oder auch Dinge aus der Vergangenheit sehr belasten. Hör dabei auf deine Gefühle und sprich mit Leuten, denen du vertraust!

Fühl dich nicht verantwortlich!

Es ist nicht deine Schuld, wenn deine Eltern dir gegenüber gewalttätig sind oder dir das Gefühl geben, dich nicht zu lieben!

Eltern haben die Pflicht, ihre Kinder zu erziehen und müssen ihnen daher auch immer wieder Grenzen setzen – das gehört dazu. Unterschiedliche Ansichten zwischen Eltern und ihren Kindern führen daher auch manchmal zum Streit. Doch Konflikte können und dürfen nicht mit Gewalt gelöst werden! Eltern dürfen ihre Kinder nicht körperlich verletzen und auch nicht emotional vernachlässigen! Es ist normal, dass du dich manchmal falsch verhältst, jeder macht Fehler, aber deine Eltern müssen einen gewaltfreien Weg finden, Probleme mit Dir zu klären!

Und es hat absolut gar niemand auf der Welt das Recht, dich (sexuell) zu belästigen! Jeder, der dir gegenüber körperlich oder seelisch gewalttätig wird oder dich sogar sexuell belästigt, macht sich strafbar! Und wenn derjenige versucht, dir einzureden, dass du das auch so wolltest oder, dass du selber daran schuld seist, stimmt das nicht!

Lass es dir gut gehen!

Es ist wichtig, dass du dafür sorgst, dass es dir besser geht. Du hast ein Recht darauf, Spaß im Leben zu haben, schöne Dinge zu erleben und deine Freizeit zu genießen. Triff dich mit Freunden und geh deinem Hobby nach. Unternehmungen oder der Kontakt zu anderen Leuten können einen manchmal, zumindest kurzzeitig, auf andere Gedanken bringen.

Lerne zu genießen!

Lachen und albern sein gehört zum Leben dazu! Es ist manchmal schwer, fröhlich zu sein, wenn einen die Familiensituation so sehr belastet. Aber es ist wichtig, dass du auch Fröhlichkeit zulässt. Such dir gezielt Dinge, die dir Spaß machen. Vielleicht hilft dir das, um abzuschalten und für einen Moment deine Probleme zu vergessen.

Gib die Hoffnung nicht auf!

Vielleicht hört sich das Gelesene für dich ganz schlimm an oder du denkst, bei mir ist alles noch viel schlimmer. Für jeden ist es manchmal schwer und du musstest das durch die Gewalt in deiner Familie schon sehr früh erfahren. Aber du kannst lernen, dass man auch die schlechten Tage überstehen kann. Das Wichtigste ist, auf seine Gefühle zu hören und sich auch an die schönen und guten Situationen im Leben zu erinnern. Vergiss nicht: auch wenn es mal schwierig ist, Schwieriges kann überstanden werden.

Sei stolz auf dich!

Wenn man schwere Zeiten durchsteht, entwickelt man oft auch besondere Fähigkeiten. Du hast zum Beispiel schon ein besonderes Fingerspitzengefühl dafür entwickelt, wie man erkennt, dass die Situation umschlägt und gefährlich wird. Du bist durch die schwere Zeit selbstständiger geworden und hast vielleicht Initiative und Kreativität gelernt - und hoffentlich deinen Humor bewahrt. Und  wenn dir jemand nicht glaubt, was du ihm erzählst, dann ist das ganz bestimmt nicht dein Fehler! Lass Dich in dieser Situation nicht entmutigen, sondern suche dir eine andere Vertrauensperson. Du hast hier gelernt, dass man nicht aufzugeben braucht und dass man sich Hilfe holen kann. Und du hast dich hier informiert und so dein Wissen erweitert. Jeder Schritt, den du unternimmst, ist ein Erfolg, erscheint er auch noch so klein.

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