Seelische Gewalt

Man spricht von seelischer Gewalt, wenn der Betroffene durch eine andere Person zum Beispiel durch Demütigungen, Beschimpfungen oder Drohungen immer wieder verletzt wird. Diese hinterlassen dann zwar keine körperlichen, dafür aber seelische Narben. Seelische Gewalt tut genauso oder manchmal viel mehr weh als Schläge. Demütigungen, Kränkungen und seelische Verletzungen vergisst man nicht, erst recht nicht, wenn diese von den eigenen Eltern stammen. Die Erfahrungen bleiben ein Leben lang in Erinnerung. Sie hinterlassen tiefe Narben, die sich oftmals bis ins hohe Erwachsenenalter ziehen können.
Es tut weh, wenn ein Streit mit den Eltern immer wieder in Wutausbrüchen endet, wenn man von seinen Eltern gedemütigt, verspottet oder respektlos und minderwertig behandelt wird. Wenn Kinder und Jugendliche von ihren Eltern bedroht, allein gelassen, ständig bestraft oder eingeschüchtert werden, indem sie in den Keller oder in einen anderen abgetrennten Raum eingesperrt werden, ist das ebenso eine Form der seelischen Gewalt. Viele Kinder und Jugendliche haben das Gefühl von ihren Eltern abgelehnt zu werden. Das heißt, die Eltern vermitteln ihnen, dass es ihnen egal ist, ob sie existieren oder nicht.
Viele Eltern machen ihren Kindern Versprechen, die sie nicht halten können und enttäuschen sie so immer wieder. Doch auch ständig überfordert zu werden oder mit Liebesentzug bestraft zu werden, immer um die Liebe kämpfen und sich diese verdienen zu müssen, tut sehr weh und überfordert.
Manchmal verlangen Eltern von ihren Kindern, dass sie den Streit zwischen ihren Eltern schlichten oder dass sie sich entscheiden, für wen sie Partei ergreifen, für den Vater oder die Mutter. Sie sollen in der Familie Aufpasser, Tröster und Gesprächspartner sein. Diese Rolle überfordert viele Kinder und Jugendliche, vor allem weil sie oft nicht wissen, wie sie sich entscheiden sollen, weil sie keinen der Elternteile verletzen möchten.